Mittwoch, 14. Oktober 2015

Was lange währt...

...wird endlich gut!

Fast ein ganzes Jahr habe ich gebraucht, um diese Jacke endlich fertig zu stellen. Letztes Jahr Ende Oktober machte ich einen Nähkurs mit, um unter Anleitung einen Blazer oder eine Jacke zu nähen. Lange konnte ich mich nicht entscheiden, was es denn nun werden sollte und plötzlich stand der Starttermin kurz bevor - und ich hatte weder Schnitt noch Stoff.

Schneller Pragmatismus war gefragt. Also fragte ich mich, was ich mit dem Kurs erreichen will und das war eindeutig: ich wollte lernen, wie man einen gefütterten Blazer näht. Falls dabei was tragbares rauskommen sollte, würde ich nicht traurig sein, aber auf jeden Fall wollte ich danach einigermaßen wissen, worauf es ankommt.
Wie z.B. geht man mit großen Mustern, oder noch besser, mit Karos um?
Oder, wie kommt das Futter in die Jacke?
Und viele Fragen, von denen ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal wusste, dass es sie gab, sollten sich auch klären.

127 092014 B
Quelle: burdastyle
Als erstes begegnete mir dann dieser Blazer Schnitt. Der war zwar nicht tailliert sondern sehr kastig - aber das würde man sicher ändern können.

Außerdem war mir das schwarze Lackleder zu hart von der Farbe. Dazu brauchte ich noch eine Alternative.

Nicht wirklich mein Traumblazer, aber in Ordnung. Sah auch nicht zu schwer aus. Ich hatte keine Zeit mehr und brauchte noch Stoff!

Den fand ich dann zum Glück doch relativ schnell in unserem Stoffladen. Wunderschön weicher Wollstoff, rot schwarz kariert.

Aber wie ich die Lackbesätzen ersetzen wollte wusste ich einfach nicht.

Schon vor dem Kurs pauste ich den Schnitt ab (Gr. 36) in der Hoffnung, dass der nicht viel zu groß wird (und er passt!).

Zum Glück, denn im Kurs verbrachte ich tatsächlich die ersten 4 Stunden nur mit dem Zuschnitt und dem Zusammenbasteln der Karos. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich vielleicht nicht so mutig gewesen.

Und als der Kurs zu Ende ging, war ich noch nicht ganz fertig. Ich musste noch Ärmelfutter und Ärmel verbinden und unten am Saum das Futter schließen. Wie das gehen sollte, ließ ich mir noch schnell erklären und nahm das gute Stück mit nach hause.
Und so hing der Blazer erst mal als UFO ein Jahr bei mir am Schreibtisch über der Stuhllehne. Im Winter hatte ich keine Lust mehr darauf. Als das Frühjahr kam, war mir das alles viel zu winterlich, im Sommer kann man doch keine Wintersachen nähen. Inzwischen hatte ich auch vergessen, wie das mit den Ärmeln ging.
Bei der Jacke Chloé (hier gezeigt) wurde das zum Glück nochmal sehr gut erklärt, so dass ich da schon mal geübt habe und mir das auch einigermaßen bekannt vorkam.
Und jetzt endlich, endlich ist mein Nicht-Traumblazer fertig geworden.

Aus dem schwarzen Lack ist so eine Art Leopardenfell geworden. Irgend so ein Panneesamtartiges Material, von dem ich etwas über Strichrichtung gelernt habe. Und dass es beim Zuschneiden fusselt wie verrückt. Und dass es sich ganz schlecht in Form bügeln lässt, und daher unten am Saum immer noch leicht beult.
Wenn es schon nicht mein Traumblazer wird, kann ich wenigstens auch mit seltsamen Materialien spielen.
Erklärt mich für verrückt - ich finde es tragbar. Allerdings habe ich auch darauf verzichtet, dieses Zeug auch für den Oberkragen zu verwenden (der war bei der Vorlage ja auch aus diesem Lackzeug).
Ach ja, Knöpfe sind auch keine dran. Und es kommen auch keine mehr dran. Knopflöcher sind für mich immer Stress pur. Zwar geht es meistens gut, aber wieso muss das immer ganz am Schluss sein, wenn schon alles fertig ist? Im Zweifel macht man doch damit alles kaputt!
Dieser Blazer bleibt jedenfalls Verschlusslos - ich würde ihn sowieso nicht zumachen.

Und wie jetzt Kombinieren? Passt dieses Teil irgendwie in meinen Schrank? Ja, ja, inzwischen weiß ich,  dass man sich das vorher überlegen könnte- so viel Zeit hatte ich dazu aber irgendwie nicht - ich musste ja in den Nähkurs :-).
Anfangs dachte ich, das muss mit schwarz kombiniert werden - das geht gar nicht anders. Also packte ich schwarze Hose und schwarzen Rolli aus und - komischerweise geht so ganz in schwarz gar nicht. Das steht mir so nicht. Eigentlich müsste es passen, aber mir nicht.

Aber so, mit grauschwarz verwaschener Bikerjeans und hellgrauem Shirt, ist es in Ordnung.
Kastig ist er immer noch sehr, obwohl eine leichte Taillierung  eingebaut wurde (gefühlt haben wir ganz schön was weggenommen in der Taille, zu sehen ist davon allerdings nur wenig).
Ansonsten wurde (soweit ich mich erinnern kann) nichts geändert.

Auch mein Jeanskleid (hier gezeigt)geht ganz gut dazu - aber auf keinen Fall mit blickdichten schwarzen Strumpfhosen....Es reicht, wenn dann die Stiefel wieder schwarz sind.
Auch mein Wickelrock und ein schwarzes Totenkopfshirt gehen dazu.  (Das ist übrigens mein allererster selbstgenähter Rock, vor inzwischen fast 2 Jahren in meinem ersten Nähkurs entstanden)
Am liebsten mag ich aber diese Kombination: Hellgraues Shirt und Boyfriend Jeans.

Meine Favoriten sind diese beiden. Was meint Ihr?


Und gelernt habe ich auch noch eine ganze Menge in diesem Kurs :-)

Hier wie immer der Schnelldurchlauf:

Schnittmuster: Jacke von  burdastyle
Stoff:Wollstoff
Anpassungen: genäht in Gr 36, leicht tailliert 
Schwierigkeit: mittel bis schwer würde ich sagen. Karos passend zuzuschneiden ist echt heftig und generell ist so eine Jacke schon ein größeres Projekt (finde ich jedenfalls ;-)
Nochmal machen: diesen Blazer nicht mehr, nein. Aber das ist ja auch nicht mein Traumblazer ;-)

Endlich mal wieder zum MMM! So ein wenig virtuelles Leben mit vielen tollen , kreativen Menschen zwischendurch entspannt sehr vom gerade sehr vollen Real Life, oder? Und Lucy von Nahtzugabe, die heute den MMM anführt, zeigt eine wunderschöne Strickjacke!

Viele Grüße,

SuSe


Kommentare:

  1. Wow, mir gefällt jede Kombination, vielleicht die mit dem Jeanskleid am besten. Es war eine gute Idee von dir, den Lackstoff zu ersetzen. Ich finde den Blazer absolut gelungen. (Knopflöcher mache ich auch nicht gern.)
    LG
    Susanne

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    1. Danke! Beruhigend, dass nicht nur ich das Thema Knopflöcher scheue ;-)
      LG SuSe

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  2. Supertoll deine Interpretation!! Da denk ich daran, dass ich vor einem Jahr auch beim Schottenjäckchen war:
    http://seelenruhig.eu/laufsteg-fur-selbstgenahtes/jaeckchen-im-schottenkaro/
    Ich liebe es immer noch und dank dir weiß ich gleich, was morgen angezogen wird!!!

    liebe Gürße von Ellen

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    1. Ha, das ist ja bei Dir sogar der gleiche Schnitt ;-) bei Dir - sehr schön! Viel Spaß beim Tragen, heute!
      LG SuSe

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  3. Die Kombination Leo zu Karo finde ich großartig. Jeans und Jäckchen sind meine Favoriten.
    Ich bin ein großer Fan von kurzen schönen Jacken.
    LG Martina

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    1. Lieben Dank! Ich hatte schon lange keine so kurze Jacke mehr an, daher auch mein ständiges Bedürfnis ein längeres Shirt darunter zu ziehen.
      LG SuSe

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  4. Mir gefällt die Jacke auch sehr gut. Besonders gut finde ich sie zum Jeanskleid. Das sieht einfach toll aus.
    LG, Sandra

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  5. Wie schön, dass Du die Jacke fertig genäht hast, vor allem zum Jeanskleid gefällt sie mir sehr gut. Das Leomuster dazu ist nicht unbedingt meins, aber der Kontrast hat was und macht die Jacke einzigartig. LG Kuestensocke

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    1. Danke Dir!
      Ja, Leomuster polarisiert ;-), das merke ich auch wenn ich die Jacke draußen trage.
      LG SuSe

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  6. Deine Favoriten sind auch meine ;) Ich persönlich hätte schwarzes Leder statt Leo genommen, aber die Jacke ist schon wahnsinnig genial! Ein sehr schönes Unikat!

    Liebe Grüße, Jessica

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    1. Vielen Dank! Das schwarze Leder wäre sicher auch eine gute Kombi, ist mir aber immer noch zu hart.
      LG SuSe

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  7. Die ist ganz ganz grosses Kino ! Sie ist wirklich gelungen, Ich würde sie sofort nehmen !!
    Liebe Grüße
    Stella

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    1. Lieben Dank, ich glaube, ich möchte sie nicht hergeben... ;-)
      LG SuSe

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  8. Die Jacke ist einfach ein Traum! Glückwunsch zum Durchhalten! Mir gefällt auch sehr, dass du die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten zeigst! Mein Favorit ist die Kombi mit Wickelrock ...
    Liebe Grüße von Doro

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  9. Sieht toll aus! Den Blazer hatte ich auch schon mal ausgesucht und wieder verworfen. Aber jetzt komme ich ins Grübeln, ob der Schnitt für mein Vorhaben nicht doch gut wäre!
    Viel Spaß mit diesem besonderen Teil!
    LG, Luise

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    1. Schade, aber vielleicht sehen wir ja doch irgendwann nochmal eine Variante von Dir ;-)
      LG SuSe

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  10. mir gefällt sie zum jeanskleid am besten !
    lg anja

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  11. Oh, cooles Jäckchen; auf die Kombination Karo mit Leo wäre ich nie gekommen, aber ich finde es richtig gut. Leicht kastig ist auch schön und sowieso im Trend. Wirst sehen, das wird noch eine Lieblingsjacke, die jedes Outfit aufpeppt. Gefällt mir am besten zur Boyfrien Jeans und grauem Shirt; das sieht so unangestrengt aus.
    LG von Susanne

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    1. Das freut mich sehr! Vielleicht wird's ja so, wie Du sagst... ich mag sie von Tag zu Tag lieber...
      LG SuSe

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  12. Leo-Stoffe sind zwar nicht meins, aber die Kombi mit dem Karo ist sehr interessant. da guckt man gleich zweimal hin :-) mir gefällt die Jacke auch zur Boyfriend Jeans am besten, sie peppt den sportlichen Look auf ohne zu übertreiben. lg, Brigitte

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  13. Iss ja ne wilde Combi - aber ich mag sowas lieber ansehen, als das allgemeine Grau und Schlamm um uns herum. LG Agathe

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